Im höchsten Nor der Welt, wo Wasser, Land und Zeit zu Eis erstarren, da findet sich eingebettet in den sturmdurchtosten kalten Meeren das Land Waligoi. Lediglich im Miren bilden die Trosk, die großen Sümpfe, auf ihre Art so tödlich wie das Eismeer, eine natürliche Landesgrenze gen Tuominen. Die Küsten sind von zahlreichen Fjorden durchzogen und ein gefährliches, mit Kliffen und Felsen gespicktes, Verwirrspiel für jeden Seefahrer.
Waligoi ist vom Meer umsäumt. An seiner gesamten Südküste spült der launische Hymir den Strand. Er findet durch den strömungsreichen Yggrfjord seinen Ausgang zum Norris, dem von Eisbergen und Packeis durchsetzten Zugang zum Endlosen Ozean.
Über diesen Gewässerlauf erhebt sich drohend und düster wie die Mauern der Götterburg das Hochland von Yggrgard. Auf diesem aber ragt, wie die schneebedeckte Methalle Walis, das gewaltige Gebirgsmassiv des Drakarfjöll empor und schließt das Hochland vom Mir gelegenen Küstenland wie eine Mauer ab.
Die Hymirküste erstreckt sich bis zu den Trosk und ist eine Schärenküste. Die Ufer sind selten steil und kahl wie die Norküste, sondern häufig sanft ansteigend und hinter einem schmalen Kies- oder Sandstrand mit dichtem Mischwald bewachsen, der sich bis in das Binnenvorland erstreckt.
Flüsse und Bäche ergießen sich mit Schmelz- und Quellwasser in die Spitzen der weit ins Land reichenden Seesysteme. Die Trosk dagegen sind, von zahlreichen Sandbänken einmal abgesehen, flach und mit niedrigen Sumpfpflanzen und Bäumen bewachsen. Dieses gewaltige - im Winter feuchtkalte und im Sommer schwülheisse - Sumpfgebiet besteht seewärts aus Salzsümpfen und landeinwärts aus Morast und halb verlandeten Seen.
Die Mitte des Landes und die Landschaft bis zur Norküste ist weitestgehend eben und nur von wenigen Höhenzügen und kleinen Mittelgebirgen durchzogen. Endlose Tundrenlandschaften wechseln sich mit riesigen Eisfeldern, aber auch - meist vereisten - Seen und Strömen sowie spärlichen kleinen Waldflächen ab.
Der Winter hält dieses Land im erbarmungslosen Griff. Nur im Esten erstreckt sich jenseits einer mehrfach durchbrochenen, niedrigen Bergkette ein durch warme Quellen und Meeresströmungen etwas erwärmtes Küstenland, das in den Bergen und an der Küste, besonders in den Fjorden, sogar dichte Wälder aufweist.
Im Gebiet zwischen Est und Mir der Westlichen Welt befindet sich das Land Neu-Westurgoi. Im Nor grenzt es an Caswallonien, im Süd an das Reich der Naturgeister.
Es liegt eingebettet zwischen dem Binnenmeer (an Ydd und Wes) und dem Endlosen Ozean (an Est und Mir). Durch das milde Klima und den fruchtbaren Boden ist Neu-Westurgoi sehr reich an Wäldern, die das Land zu gut zwei Dritteln bedecken. Lediglich das Hochland Vinurdjurd am Binnenmeer ist nahezu unbewaldet. Im Nor bilden das Hochland und der Wald Fillefjell eine natürliche Grenze zu Caswallonien. Der Jodursjurd ("Stilles Meer"), der sich vom Süd bis zum Nor durch das Land zieht, teilt Neu-Westurgoi in zwei Klimazonen.
Auf der Binnenmeerseite herrscht gemäßigtes, zum Teil sehr warmes Klima. Durch die warmen Temperaturen des Binnenmeeres erwärmt sich auch das Hochland um Högjurdgard. Die gleichbleibend warmen Temperaturen dieses mediteranen Klimas und die fruchtbare Erde ermöglichen eine ausgedehnte Ackerbau- und Viehwirtschaft. Die Wälder zum Jodursjurd hin sind häufig von Nebel verhangen. Der Hunyngvidur bildet im Süd von Neu-Westurgoi eine natürliche Grenze zu der Ebene des Reiches der Naturgeister.
Auf der Seite des Endlosen Ozeans ist es in Neu-Westurgoi aufgrund der ,,Hyldirs Atem", einer kalten Meeresströmung, welche die Westliche Welt vom Nor aus umfließt, empfindlich kalt. Lediglich im Sommer sind hier annähernd gemäßigte Temperaturen anzutreffen. Das Aufeinandertreffen von ,,Hyldirs Atem" und einer Strömung aus dem Süd der Westlichen Welt läßt am Kap Thorwald im Süd-Mir Neu-Westurgois schwere Stürme entstehen. Darüber hinaus weist die Küste des Endlosen Ozeans dort viele Riffe auf, was die Seefahrt zu einem Abenteuer werden läßt. Der Landstreifen zwischen dem Jodursjurd und dem Endlosen Ozean ist vom Faengskugur, einem dichten Mischwald bedeckt. Der Jodursjurd bleibt durch die Landmasse Neu-Westurgois, die ihn umschließt, das ganze Jahr über von Stürmen verschont.
Im Binnenmeer, auf der Höhe von Högjurdgard, befindet sich die Insel der wolkenhohen Bäume. Sie ist kaum erforscht und gänzlich von tropischem Regenwald bedeckt. Die Baumkronen dieser Urwaldriesen befinden sich fast immer in einem gespenstischen weißen Dunst. Dieses Naturphänomen gab der Insel ihren Namen.
Das gesamte Zentralland, das Isburdret, ist eine ausgedehnte Tundrenlandschaft. Das Tundrengras wächst im Sommer, wenn der Boden einige Handbreit auftaut, mit erstaunlicher Geschwindigkeit empor, blüht und bildet Samen aus, die sich im bald beginnenden Herbst wie Schneegestöber über das Land verteilen. Norwärts dieser Region kommen bestenfalls Moose und Flechten vor. Je weiter man aber nach Süd vordringt, findet man immer öfter kleine Birkenbestände und allerlei Straucharten. Im Küstenvorland schließlich stößt man auf ausgedehnte Nadelwälder, die in Küstennähe in hohe Laubwälder aufschließen. Am häufigsten sind verschiedene Arten von Kiefern, Eichen und Buchen.
Eine besondere Landschaft ist das Hochland, welches in seinen Niederungen und auf den unteren Hängen und Rücken mit ausgedehnten Nadelwäldern bewachsen ist. Im Sommer sind die Hochflächen dieser Region mit ausgedehnten Wiesen bedeckt. Häufig sind auch hier kleine Birkenwälder und - vor allem in den Tälern - Laubwälder und Strauchland.
Ein völliger Gegensatz ist die südlich gelegene Trosk mit ihren weiten Schilf- und Riedlandschaften, aus denen sich nur hin und wieder einmal Inseln von gespenstisch anmutenden Baumriesen und undurchdringlich erscheinenden Buschwerk erheben. Breite, halb verlandete und von Wasserpflanzen zugewachsene Ströme wälzen sich langsam dem Meer entgegen, immer wieder gezwungen ihren Lauf zu ändern.
Trotz dieser Bedingungen lebt in ganz Waligoi eine vielfältige und den Umständen hervorragend angepasste Fauna. Am auffälligsten sind hierbei wohl die riesigen Jakhherden, die den Jahreszeiten nach in den Nor bzw. Süd wandern. Ihnen folgen die Wölfe auf ihrer Jagd nach Beute. In den Wäldern findet man Elche und Hirsche, aber auch Wildschweine und wie auch im Freiland allerlei Niederwild. Hier und in den Wäldern jagen Eisfuchs, Luchs, Dachs und Bär und hoch im Nor in der Welt des Packeises jagt und fischt der riesige Eisbär. Nur er und die noch selteneren schneeweißen Eiswölfe wagen sich auf die Jagd nach dem Mammut, das hauptsächlich in den Tundrenlandschaften lebt. An den Küsten tummeln sich viele Robbenarten, Seehunde und Walrösser. Wale aller Arten durchpflügen die Gewässer um das Norland, begleitet von einer großen Auswahl von Fischarten, die bis in die Binnenflüsse hinaufwandern, um dort zu laichen und meist ein Opfer der Bären zu werden. Über allem kreisen die Herren der Lüfte, die Seeadler, und hoch über dem Freiland schwebt der mächtigste seiner Art, der Schwarzadler. Keck versuchen die gewandten schnellen Schneefalken diesem Giganten der Lüfte Konkurrenz zu machen.
Die Binnenmeerseite Neu-Westurgois besteht aus einem weiten Hochlandstreifen. Hier befindet sich die Kornkammer Neu-Westurgois. Der Boden ist fruchtbar und die häufigen Regenfälle, die hier besonders Richtung des Waldlandes am Jodursjurd niedergehen, sorgen für gute Ernten an Weizen und Roggen. Im Nor des Hochlandes, weiden die Bisons der Heden auf der saftigen Prärie. Melonen, Bananen und Kaffee werden im Süd angebaut.
Ansonsten ist Neu-Westurgoi von dichten Wäldern bedeckt. Zwischen dem Hochland und dem Jodursjurd befindet sich ein dichter, mediteraner Urwald mit starkem Unterbewuchs. Im Hunyngvidur ist aufgrund des Klima und Temperaturwechsels oft starker Nebel.
Der Landstreifen zwischen dem Jodursjurd und dem Endlosen Ozean ist vom Faengskugur, einem dichten Mischwald, bedeckt. Doch ist dieser nicht annähernd so verwachsen und unzugänglich wie der Hunyngvidur.
Die Insel der wolkenhohen Bäume ist ganz von einem dichten, tropischen Regenwald bedeckt. Die Baumkronen dieser Urwaldriesen sind nur selten zu sehen. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit befinden sie sich fast immer in einem gespenstischen weißen Dunst. Nur den Küstenstreifen der Insel kann man einigermaßen mühelos betreten. Schon nach ein paar Schritten ins Landesinnere wird dieser tropische Urwald dichter. Mit steigender Entfernung zum Binnenmeer wird der Urwald vor allem in Wurzelbereich dunkler und verwachsener. Es ist so gut wie unmöglich, sich in diesem Wurzelwirrwar zu bewegen. Weiter oben sind die Bäume durch Äste und Schlingpflanzen miteinander verbunden. Einige Lianen haben den Durchmesser eines Männerrumpfes; und es ist einem Menschen möglich, sich auf den Schlingpflanzen durch die Baumwipfel zu bewegen. Die Natur hat im Inneren des Urwaldes eine wahre Vielfalt an Blumen hervorgebracht, die zum Teil sehr giftig sind. Auf dieser Insel ist seit Menschengedenken kein Baum gefällt worden und mittlerweile sind die Mühen zu groß, um in tagelanger Arbeit einen dieser Urwaldriesen zu fällen.
In Neu-Westurgoi ist eine vielfältige Fauna zu beobachten. In den Wäldern Hunyngvidur und Faengskugur findet man neben Rotwild und Wildschweinen auch verschiedene Arten von Niederwild. Im Hochland leben Bisonherden, die der Jahreszeit entsprechend nach Nor bzw. Süd wandert. Ihnen folgen Wölfe auf der Jagd nach Beute. Im Süd Hunyngvidurs leben zahlreiche wilde Honigbienen. Als Raubwild sind hier Großkatzen wie Ozelot, Panther, Leopard und Jaguar vertreten. Fuchs, Dachs, Luchs, Wildkatze und Bären jagen im Faengskugur.
Die Tierwelt des Urwaldes auf der Insel der wolkenhohen Bäume ist sehr artenreich. Von Käfer- und Mausgröße bis hin zum Wasserschwein ernähren sich die Pflanzenfresser vom reichhaltigen Angebot der Flora. Gejagt werden sie von Ozelot und Wildkatze. Aber auch Amphibien und Reptilien wie Frösche, Krokodile, Gift- und Riesenschlangen bevölkern diesen Urwald. In seinen Bächen und Flüssen schwimmen zahlreiche Fischarten und die Luft ist durchdrungen von Vogelgesang. Die Vogelwelt hat auf der Insel der wolkenhohen Bäume die farbenprächtigsten Exemplare Neu-Westurgois hervorgebracht. Aufgrund der Unkenntnis über das Innere der Insel der wolkenhohen Bäume gibt es über weitere Bewohner viele Spekulationen. Die einzige Siedlung auf der Insel ist ein Gard (eine Art Fort), das den Anspruch Neu-Westurgois festigt. Kaum jemand ist in das Innere der Insel der wolkenhohen Bäume vorgedrungen und nur wenige, die es wagten, kehrten wieder.
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